Einstellungen aus Alfred Hitchcock,
Rear Window (1954) und Jacques
Tati, Playtime (1967)
Screens: Voyeurismus vs Exhibitionismus
Bei den von mir fotografierten Gebäuden hat sich ein in der Architektur ursprünglich
ausgewogenes Verhältnis von Öffnung (zum Einlass von Licht, zum Hinausschauen)
und Schutz (vor den Blicken der Öffentlichkeit) hin zu einer nahezu
totalen Öffnung verschoben. Die Menschen vor und hinter den Fenstern
treten in eine ambivalente Beziehung
zueinander. Die früher einmal eindeutige
Abgrenzung zwischen öffentlichem und privatem
Bereich, die noch für Hitchcocks Film Rear Window die Voraussetzung darstellte, löst sich auf und wird durch ein nicht geregeltes
Wechselspiel zwischen Voyeurismus und Exhibitionismus ersetzt.
Diese
neue ambivalente Beziehung zwischen Privatheit und Öffentlichkeit kommt sehr gut
in Jorge Furtados Film O Homem que copiava (2003) zum Ausdruck, der sich in den
betreffenden Szenen ganz offensichtlich auf Hitchcock bezieht: Das, was
der Protagonist vermeintlich heimlich im Haus gegenüber beobachtet, wird
von der jungen Frau bewusst für ihn inszeniert...
Aus: Stefan Koppelkamm, »Screens«, in: Stefanie Diekmann, Winfried Gerling, Freeze Frames. Zum Verhältnis von Fotografie und Film, Bielefeld 2010, S. 99 ff.